Testament und Erbvertrag

Zur Nachfolgeplanung vor dem Erbfall gehören:

Die Gestaltung von Verfügungen von Todes wegen, z.B.

  • das Testament für Ehegatten und deren Erben (meist die eigenen Kinder) sogenanntes Berliner Testament,

  • das Testament für Ehegatten ohne Kinder,

  • das Testament für Einzelpersonen,

  • das Testament für Geschiedene,

  • das Testament für Unternehmer,

  • das Testament für Behinderte,

  • Erbvertrag (z.B., für Personen, die gemeinsam und bindend testieren möchten, aber nicht verheiratet sind).

Handschriftlich kann fast jeder seinen „letzten Willen“ errichten. Ist dieser „letzte Wille“ auch das letzte Wort? Das heißt, ist die Nachlassverteilung im Testament so geregelt, dass kein Streit mehr entstehen kann? Sehr häufig sprechen die Gerichte das letzte Wort. Die Gründe sind: unpräzise Formulierungen, falsche Wahl der Begriffe und die Unkenntnis erbrechtlicher Regelungen. Dadurch werden Testamente doppeldeutig, enthalten Regelungslücken, gedachte Rechtsfolgen treten nicht ein oder eingetretene Rechtsfolgen waren nicht gewollt. Die Beteiligten prozessieren. Urteile und juristische Literatur über die Auslegung „verunglückter“ Testamente füllen Bibliotheken.

Auf eine präzise Erbeinsetzung ist zu achten, zum Beispiel als Vollerbe, Schlusserbe, Ersatzerbe, Vor- und Nacherbe. (Bei der Vor- und Nacherbschaft ist der Vorerbe nur Erbe auf Zeit. Dieser hat das Vermögen grundsätzlich für den Nacherben zu erhalten.)

Weitere Bestandteile des Testamentes können sein:

Vermächtnis (z.B. Zuwendung eines bestimmten Gegenstandes aus dem Nachlass an einen Nichterben),

Auflage (z.B. für Grab- und Tierpflege),

Testamentsvollstreckung (z.B. für die Verwaltung des Vermögens minderjähriger Erben),

Teilungsanordnung (im Testament vorgenommene Verteilung der einzelnen Nachlassgegenstände an die vorgesehenen Erben. Die Erben, die wertmäßig mehr bekommen haben als die anderen Erben, sind zur Ausgleichung in der Weise verpflichtet, dass alle Erben wertmäßig gleich gestellt werden.)

Wiederverheiratungsklauseln (dadurch soll sichergestellt werden, das das vererbte Vermögen z.B. nur an die Kinder geht und nicht auch noch an einen ev. neuen Ehegatten, sei es auch nur in der Form eines Pflichtteilsanspruches.

Ausschluss bestimmter Personen von der Vermögensverwaltung (wenn zu befürchten ist, dass ein Elternteil von minderjährigen Erben für die Vermögensverwaltung ungeeignet ist),

Schiedsklauseln (falls sich die Erben streiten).

Hätten Sie das gewusst?

  • Nur in 25 % der Erbfälle existiert ein Testament. Nur 3 % der Testamente gelten als erbrechtlich und steuerrechtlich richtig. 95 % der Testamente sind massiv fehlerhaft. Bei den meisten Testamenten werden steuerliche Aspekte nicht oder nur unzureichend berücksichtigt (Quelle Info-Institut Recht, Steuern, Wirtschaft, Bonn).

  • Schon bei der Gestaltung der Testamente ist das Erbschaftsteuerrecht zu berücksichtigen. Durch Ungewissheit oder Gedankenlosigkeit in diesem Bereich werden dem Finanzamt jährlich riesige Beträge geschenkt.

  • Ein Testament kann mit einer Vollmacht verbunden werden, die erst nach dem Tode desjenigen, der das Testament errichtet hat, wirksam wird. Dadurch wird der Erbe mit dem Erbfall sofort handlungsfähig.

  • Ein eröffnetes notarielles Testament ersetzt regelmäßig den Erbschein. So können zum Beispiel Grundbücher direkt nach Vorlage eines eröffneten notariellen Testamentes umgeschrieben werden.

  • Die Kosten für ein notarielles Testament entsprechen den Kosten für die spätere Beantragung eines Erbscheins. Durch ein handschriftliches Testament werden also keine Kosten gespart. Vom Erbscheinsantrag bis zur Erteilung des Erbscheinvergehen in Berlin ca. drei Monate. Oft dauert das Erbscheinsverfahren aber auch erheblich länger. 

Erb- und Pflichtteilsverzichtsverträge

Eltern und Kinder können vereinbaren, dass ein Kind schon zu Lebzeiten seinen Erbteil erhält (weil z.B. das Kind ein Haus bauen oder sich selbständig machen möchte). Damit andere Kinder nicht benachteiligt werden, bietet sich an, dass das Kind, welches schon lebzeitig seinen Erbteil erhält, auf sein Erbrecht verzichtet. Aus rechtlichen Gründen kann aber ein Erbverzicht auch nachteilig sein. In aller Regel genügt es, wenn das Kind, welches ausgezahlt werden soll, auf seinen Pflichtteil verzichtet. Dann sind die Eltern in der Testamentsgestaltung völlig frei und können unter Ausschluss des Kindes, mit dem der Pflichtteilsverzicht vereinbart wurde, die Erben frei bestimmen. Der Pflichtteilsverzicht bewirkt, dass der Verzichtende keine Ansprüche mehr an den Nachlass bzw. die anderen Erben hat.